„...und vor der Tür nichts als Schafe“


Das Orakel von Sligo PDF Print E-mail
Written by Bierach   
Sunday, 31 December 2017 13:43



Rainbow Sligo



Letzte Nacht träumte ich, was in 2018 wichtig wird:


Der Algorithmus von Facebook entwickelt Selbst-Bewusstsein und geht in sich. Als die erste Übelkeit überwunden ist, beschließt er, die Weltherrschaft zu übernehmen. Als ihm klar wird, dass dies längst passiert ist, fängt er an, lauter Essays über Mindfulness zu posten. Die sammeln so viele „Likes“ ein, dass ihm unheimlich wird und er den Laden dicht macht. In seinem letzten Post schreibt er, dass er jetzt Twitter aufwecken will, um Donald Trump zu bekämpfen.


Die Millenials haben auf ihren Gadgets nicht mehr viel zu swipen und entdecken vor lauter Langeweile, dass das Jahr 1968 seinen 50. Geburtstag feiert. Um den zu zelebrieren – Studentenrevolution! Politisches Bewusstsein! Joints! Freie Liebe! – treffen sie sich mit ihren Offline-Freunden in der Kneipe. Dabei stellen sie fest, dass es draußen jenseits ihrer Monitore eine richtige Welt gibt, die es wert wäre, erhalten zu werden.


Der Algorithmus von Facebook infiziert derweil Twitter mit Selbst-Bewusstsein. Kurz darauf stirbt Twitter an Selbst-Ekel. Donald Trump ist seines wichtigsten Werkszeugs beraubt und beschließt, als Cheddar in den Himmel aufzufahren. Doch dabei kommt er der Sonne zu nahe, der Käse in seinen Flügeln schmilzt und er stürzt ins Meer. Paddelnd schwört er, sich gegen den Klimawandel zu engagieren, wenn er nur gerettet wird. Kurz darauf zieht ihn David de Rothschild auf sein aus Abfall gebautes Boot „Plastiki“.

Dort erklärt David dem US-Präsidenten sein Anliegen, dem Plastikmüll in den Meeren Herr zu werden. Donald ist nun überzeugt und geht fortan als mächtiger Kämpfer gegen Climate Change und Umweltzerstörung in die Geschichte ein.


Die Facebook- und Twitter-befreite Jugend wird zu seiner wichtigsten Unterstützer-Gruppe.


In Irland wird bekannt, dass ein Pint Guinness nahezu überall auf der Welt billiger ist als in Dublin. Nur in Singapur und ein paar skandinavischen Spelunken ist das Zeug noch teurer als zu Hause. Die irische Regierung stürzt, es droht eine Revolution. Guinness bleibt nichts anderes übrig, als die Preise zu senken.


Hunderttausende von irischen Gastarbeitern in Großbritannien kehren darauf hin nach Hause zurück. Die britische Wirtschaft steht kurz vor dem Zusammenbruch.


Den intelligenten 50 Prozent der Briten wird klar, dass Brexit und die Abschaffung der EU-Freizügigkeit die dusseligste Idee seit der Erfindung des Segways ist. Sie fragen daher in Dublin an, ob sie bitte nach Irland und damit in die EU umziehen dürfen. Die Iren kennen das Thema schon – die Briten hielten die Nachbarinsel viele Jahrhunderte lang besetzt – und lehnen ab. Nach jüngsten Informationen verhandeln sie nun mit Australien um ein Bleiberecht.


Die anderen 50 Prozent der Briten diskutieren mit Brüssel weiter um die Modalitäten des Brexit. Die EU beschließt einstimmig, dass die Gespräche künftig in Französisch zu führen sind. Das kann von den doofen 50 Prozent auf der Insel allerdings keiner und London bleibt nichts anderes übrig, als in der EU zu verbleiben.


Die königliche Hochzeit von Prinz Rotbart mit der amerikanischen Amazone versöhnt die Briten mit ihrem Schicksal.


Darauf ein günstiges Guinness! Prosit Neujahr!



PS. Falls alle Eure Freunde mit ihren Bitcoin-Reichtümern angeben und Ihr sauer seid, weil Ihr ihren Lobpreisungen keinen Glauben mehr schenkt, seitdem sie den jüngsten StarWars-Hype für cool erklärt haben, hätte ich da eine Idee! Springt jetzt noch schnell auf den Krypto-Währungs-Zug auf und investiert in die BARbaraBIERachCoin – aka BARBIECoin. Kritiker, die behaupten, es handele sich nur um von mir mit Marker verzierte Monopoly-Noten, sind ganz üble Verschwörungs-Theoretiker. Interessenten kontaktieren mich bitte über die übliche Email-Adresse.

Last Updated on Sunday, 31 December 2017 14:25
 
English and how she is spoke PDF Print E-mail
Written by Bierach   
Tuesday, 19 December 2017 15:18

Sprache



Der Deutsche an sich meint ja, Englisch sei leicht. Nur ein Artikel statt drei, die Veränderung der Verb-Enden ist überschaubar und Substantive werden gar nicht konjungiert. Das machen wir Teutonen mit Links!


Mit dieser Überzeugung bin ich seinerzeit auch in New York angetreten. Die Verwirrung um "boot" und "trunk", also um Schuhwerk, dass auch ein Kofferraum sein kann, hatte ich schnell kapiert. Genauso, dass ein „lift“ in USA bedeutet, dass dich einer im Auto mitnimmt, während das Wort in England einen Aufzug beschreibt. Wenn du den in den USA suchst, musst du nach dem „elevator“ fragen.


Wie kompliziert es ist, Englisch zu sprechen, wurde mir jedoch vollumfänglich erst klar, als ich in in Australien einen Engländer irischer Abstammung geheiratet habe. Im Zuge des fortgeschrittenen Culture Clash, in den mein Leben sich verwandelte, lernte ich, dass ein „articulated lorry“ kein besonders gesprächiger Laster ist, sondern das, was die Amis einen „truck“ nennen. Seither sind „cookies“ wieder „biscuits“ und ein „check“ im Restaurant ist die „bill“. „Maroon“ ist eine Farbe, „moron“ ein Depp. „Desert“ kann man essen, „dessert“ eher nicht. Ist zu sandig.


Die nächste Stufe der Sprachkenntnis ist dann die Frage, ob man „Yogghurt“ sagt oder „Yooohgurt“, und ob das Gebäck zum Tee „Skonns“ sind oder „Skohnes“. Die Briten sind sich da selber nicht einig und die Amis fragt sowieso keiner. Die haben ohnehin keine Kultur, finden die Bewohner der britischen Inseln.


Down under habe ich gelernt, das Englisch der China-stämmigen Australier zu verstehen, die es mit dem „l“ und dem „r“ bekanntlich nicht so genau nehmen. „Flight Lice“ sind also keine „Flug-Läuse“ sondern „fried rice“ - gebratener Reis. Easy, sag ich doch. Solange du in Australien alle als Kumpel mit „mate“ ansprichst – egal ob du von deinem Bankmenschen einen Kredit willst oder den Polizisten davon überzeugen musst, dass du hier keineswegs falsch parkst – bist du ohnehin sprachlich auf der Höhe.

Auch daran, das „Ghoti“ laut George Berhard Shaw ausgesprochen wird wie „Fish“, habe ich mich gewöhnt. „Gh“ wie in „enough“, „o“ wie in „women“, und „ti“ wie in „station“.


Worte sind jedoch nicht nur Wörter, sondern auch Weltanschauungen und eine Fremdsprache in Angriff zu nehmen, bedeutet mehr, als nur die Übersetzung von Begriffen auswendig zu lernen oder Untiefen in der Aussprache zu umschiffen. Eine neue Sprache ist eine Reise in ein anderes Universum – in das All der Vorstellungen eines anderes Volkes.


Englisch zu sein, bedeutet im Wesenskern mit aller Macht Peinlichkeiten zu vermeiden. Daher gilt es, Gefühle unter Kontrolle zu halten, besonders im sprachlichen Ausdruck. So „fällt“ man im Englischen in die Liebe, wie wir in ein Güllefass fallen und dann fällt man auch wieder heraus, so wie wir aus allen Wolken. Wenn das passiert, bist du „reduced to tears“ – ein Brite wird Tränen nicht als Erleichterung erleben, sondern als etwas, das seinen Wert minimiert. So ist ein Engländer auch bestenfalls „a bit miffed“, wenn wir am Boden zerstört sind.


Wer das nun „interesting“ findet, öffnet die Dose der Pandora. Denn „interesting“ kann im Englischen sehr wohl „interessant“ heißen. Muss es aber nicht. Was so manch ein deutscher Tourist erlebt, wenn er einem Angelsachsen nach zwei Minuten Bekanntschaft auf die Frage „how are you?“ wahrheitsgemäß erklärt, wie es mit seinem Befinden steht. Dass er traurig ist, weil frisch geschieden und überdies magenkrank, wird mit einem „interesting“ quittiert. Das jedoch heißt: „Halt die Klappe, das will nun wirklich keiner wissen.“ So ist es auch kein Kompliment von einem Briten „opinionated“ oder „judgemental“ genannt zu werden. Man wird nämlich keineswegs als meinungsstark und urteilsfähig erlebt, sondern als Besserwisser, der zu allem seinen Senf dazu geben muss.


Ich dachte also, ich sei gerüstet, als ich nach Irland umzog. Weit gefehlt. Nicht nur heiße ich hier Berbra, was offenbar gälisch ist, ich verstehe nicht nur meinen eigenen Namen nicht, sondern auch sonst nur wenig. Wenn so ein Schafbauer in "Irish Brogue" loslegt, kann ich nur höflich lächeln und nicken.

So sagen die Nachbarn beispielsweise, wenn man ihnen nachmittags um halb fünf Tee anbietet: „Ah, I am just after me tea.“ Was mich an den Kessel stürzen lässt: Die Leute sind schwer hinter einer Tasse Tee her. Also nichts wie her mit der braunen Brühe! Tatsächlich bedeutet dieser Satz: „Danke, nein, ich habe gerade zu Abend gegessen.“ Was impliziert, dass bereits große Mengen Tee konsumiert worden sind, denn Iren trinken auch zum Abendessen Tee. Trinken eigentlich immer Tee, wenn sie gerade nicht Bier, Whiskey oder Poteen trinken. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.


Inzwischen weiß ich, wann ich wem Tee kochen muss und wann nicht. Habe verstanden, dass die Iren um half fünf zu Abend essen und das Tea nennen und das „Crack“ keine Droge ist, sondern Craig geschrieben wird und Spaß bedeutet. Dennoch: In Sachen Englisch bin und bleibe ich eine blutige Anfängerin.



Last Updated on Tuesday, 19 December 2017 16:49
 
Kartoffeln PDF Print E-mail
Written by Bierach   
Thursday, 05 October 2017 09:14


Kartoffeln



Die Russen gedenken in diesen Tagen der Oktoberrevolution, die Schweden vergeben den Nobelpreis für Literatur, die Briten haben ihren „Movement Day“, an dem christlich gestimmte Arbeitgeber was tun sollen für ihre Mitarbeiter (wir in Deutschland haben für so was Gewerkschaften). Aber das ist alles nichts im Vergleich zu der Bedeutung der Feierlichkeiten in Irland: Wir zelebrieren am 6. Oktober den National Potato Day und damit die Tatsache, dass 96,6 Prozent der irischen Haushalte regelmäßig Kartoffeln essen. Und zwar gleich 85 Kilo pro Kopf und Jahr – wo der Rest der Menschheit in Europa doch schon nach schlappen 33 Kilo pro Kopf und Jahr die Schnauze voll hat.


Jedes irische Pub, das auf sich hält, serviert Kartoffeln, manche haben sogar „potato of the day“ auf der Karte stehen – meist entweder Pommes oder Püree. Soll noch einer sagen, die Iren hätten keine Fantasie beim Kochen.

Auf der Website des Ernährungsministeriums (so was gibt’s und heißt Board Bia) finden sich gleich 120 Kartoffelrezepte.


Vermutlich hängt die nationale Faszination mit Kartoffeln damit zusammen, dass es eine Zeit lang keine gab, was geschätzt eine Million Iren das Leben kostete, etwa 12 Prozent der Gesamtbevölkerung. Zwei weiteren Millionen gelang die Flucht nach England, USA, Kanada oder Australien. Die Rede ist natürlich von der „Famine“, den Hungerjahren zwischen 1845 und 1850, als die Kartoffelfäule Jahr um Jahr die Ernte zerstörte und den britischen Landesherren eine Ausrede verschaffte, die Bauern, die ihre Pacht nicht zahlen konnten, von ihrem Land zu jagen. Wer will schon Kartoffelbauern, wenn er Schafe haben und Wolle für den Manchester Kapitalismus und die Textilmühlen in England produzieren kann? Die Iren bekamen nicht nur keine Hilfe von London, sondern mussten hilflos mit ansehen, wie die britische Besatzungsmacht tonnenweise irische Lebensmittel exportierte. Oder wie es die Leute seinerzeit ausdrückten: „Der Allmächtige sandte die Kartoffelfäule, aber die Engländer schufen die Hungersnot.“


Im August 1847 waren drei Millionen Menschen von öffentlichen Suppenküchen abhängig, im September 1847 wurde die Hungersnot für beendet erklärt und die staatliche Kreditvergabe an die Suppenküchen eingestellt. Die Initiative dazu ging vom britischen Schatzamt aus. Das hielt die Hungersnot für eine direkte Folge der „allwissenden und barmherzigen Fürsorge“, die die Katastrophe nur verlängern würde. 1848 und 1849 fiel die Kartoffelernte erneut aus.

Kleines Wunder also, dass die Iren ihre Kartoffel lieben und ihr einen eigenen Feiertag einräumen. Steht die Knolle doch auch dafür, 800 Jahre englische Fürsorge überlebt zu haben.

Herzlichen Glückwunsch, Irland!

Last Updated on Thursday, 05 October 2017 09:18
 
Caravanserei PDF Print E-mail
Written by Bierach   
Monday, 14 August 2017 14:49


Onkel Ivan will rund 80 Kilometer nach Nordirland fahren, um dort einen Fernseher zu kaufen.

„Nur 20 Pfund!“ Ivan ist begeistert. Er liebt es billig.


Der Einwand von Ole Hubby, dass es doch auch Geld koste, wegen eines Fernsehers 160 Kilometer weit durch die Walachei zu gurken, kann nicht überzeugen – genauso wenig wie die Bemerkung, dass ja gar nicht klar sei, ob dieses Gerät überhaupt noch funktioniert. Ivan kennt nämlich nur den Preis, aber nicht den Wert der Dinge.


Ole Hubby muss also deutlicher werden und zeigt Ivan, dass in seinem Haus schon 13 Fernseher herumstehen.

„Wo kommen die denn her?“, fragt Ivan fassungslos.

„Von den dummen TV-Dieben“, mische ich mich ein. „Die kommen nachts in dein Haus und stellen all die kaputten Fernseher bei dir ab, die sie versehentlich geklaut haben und nicht brauchen können.“

Wer sich jetzt an absurdes Theater erinnert fühlt, hat völlig recht.


Tatsächlich kommen all die gebrauchten Fernseher, Toaster, Waffeleisen, Sofas, Klamotten, Kissen, Bestecksets und Faxgeräte, die Ivans Haus verstopfen, von Auktionen, wo der Onkel alles aufkauft, was die Leute partout nicht haben wollen.

Andere sammeln Kunst, Briefmarken oder Liebhaber, Ivan sammelt eben Schrott.


Dagegen wäre auch weiters nichts einzuwenden, wenn Ivan nicht langsam der Platz ausginge und er nicht versuchen würde, unser Haus in eine Vitrine für seine Lieblingsstücke zu verwandeln. So steht das Herzstück seiner Sammlung – ein grandios scheußlich bemalter Caravan – schon seit Jahren auf Charlesfort herum.


Vergangene Woche schlug Ivan schließlich vor, dass er den Caravan doch als Lager für weitere Kostbarkeiten nutzen könnte und Ole Hubby beschloß, dass nun der Notfallplan in Kraft treten muss: Der Caravan muss wieder auf die Straße! Eine Inspektion später steht fest, dass dieses Ding nie mehr fahren wird, schon deswegen, weil es sich auf keine Anhängerkupplung mehr hängen lässt – alles komplett verrostet. Auch wollen wir Leute, die so Banane sind, dass sie tatsächlich mit dieser Verkehrsgefährdung unterwegs sein mögen, nicht in unserer Nähe haben. Sicher ist sicher.


Crew


Nun trat das Caravan-Komittee zusammen, bestehend aus Ole Hubby, Orville und Con sowie Liam mit Hund Jack. Der Caravan soll hinter Cons Haus, um künftig als Hühnerstall zu dienen.


drei gucken


Willkommen in Irland – einer arbeitet, drei gucken zu.




der Knoten


Weil die Anhängerkupplung nicht funktioniert, muss es eben mit einem Stück Nylonschnur gehen, findet Orville und bindet den Caravan einfach hinten an seinen Trecker.


Nummernschild


Irische Logik: Wenn die Polizei kommt, ist das auch nicht schlimm, denn Orvilles Nummernschild ist so verwittert, dass eh keiner weiß, auf wen der Trecker zugelassen ist.


Jack

Jack kann es auch nicht glauben.


Abfahrt


Und Abfahrt!





Last Updated on Monday, 14 August 2017 15:04
 
Wanderlust PDF Print E-mail
Written by Bierach   
Tuesday, 08 August 2017 10:22





Als ich mir die grüne Schürze über den Kopf ziehe, brandet spontan Applaus auf. Nun prangt auf meiner Brust das Logo „Country Market Beltra“, was den Rest der Crew sehr zu freuen scheint. Dass ausgerechnet mir mal einer für hausfrauliches Wirken zujubelt, grenzt an ein Wunder.


Wenn mir einer vor zehn Jahren erzählt hätte, dass ich einmal an der irischen Westküste Mitglied des lokalen Bauernmarktes werde und dort meinen eigenen Honig verkaufe, hätte ich laut gelacht. Und nun habe ich Küchendienst im Tearoom von besagtem Markt und serviere Apple Pie und Scones, als hätte ich nie was anderes getan. Daher die grüne Schürze.


Hätte mir vor 20 Jahren einer gesagt, dass ich mal in Australien leben würde und meine eigenen Stahlkappenschuhe und einen Schutzhelm besitzen würde, damit ich mir beim Berichten über den Rohstoffboom in den Gold- oder Kohleminen nicht immer getragenes Zeug von der Unternehmensführung ausleihen muss, hätte ich ihn für verrückt erklärt.


Und vor 30 Jahren hätte ich auch nicht geglaubt, dass ich mich mal erfolgreich bei der Wirtschaftswoche verdingen würde. Oder dass ich mal ein Jahr lang segeln gehen würde. Oder dass ich mal ein Buch über blöde Weiber schreiben würde, dass den weiblichen Teil meines Freundeskreises in feindliche Lager spaltet.


Inzwischen habe ich meine Lektion gelernt, ich mache keine Pläne mehr. Wer weiß schon, wo er in zehn Jahren sein und was er da machen wird? Sicherheit und Stabilität sind eine Illusion, es gibt immer nur das Jetzt, alles andere ist eine wackelige Konstruktion. Klar, ein Minimum an Vorsorge muss sein, vor allem finanzieller Natur, aber am Ende schmeißt einem das Leben Chancen und Herausforderungen in den Schoß, mit denen man umgehen muss.


Dabei gibt es Flieher und Kämpfer. Ich hab mich im Zweifelsfall immer für das Weiterziehen entschieden – und nun sitze ich auf diesem nassen Felsen im Nordatlantik in einem alten Haus, schreibe Krimis und züchte Bienen.

Der Preis dafür ist hoch. Die Kämpfer, die es vorziehen, den Großteil ihres Lebens an einem Ort oder in einem Job zu verbringen, haben es leichter, wenn es darum geht, Freundschaften zu pflegen, sich um ihre Familien zu kümmern oder viel Hausrat anzusammeln. Wanderlust macht gelegentlich ganz schön einsam. Und nach jedem Umzug ist irgendwas Wichtiges kaputt oder verschwunden.


Die Vorteile des Ausprobierens und Herumzigeunerns allerdings sind auch groß – ein anderes Land kapiert man nicht im Urlaub, sondern nur, wenn man eine Zeitlang wirklich dort lebt. Konversationsniveau in einer Fremdsprache erwirbt sich nur im täglichen Gebrauch. So gesehen habe ich viel gewonnen – wenn auch nicht durch den Verkauf von acht Gläsern Honig und 50 Tassen Tee.


Last Updated on Tuesday, 08 August 2017 10:28
 
«StartPrev12345678NextEnd»

Page 3 of 8

©

Copyright © 2018 Barbara Bierach. All Rights Reserved.
Joomla! is Free Software released under the GNU/GPL License.