„...und vor der Tür nichts als Schafe“


Der kleine Pot PDF Print E-mail
Written by Bierach   
Thursday, 03 December 2015 17:14

Poteen

 

Neulich kam der olle Hubby nach Hause und verkündete, er habe Putschin mit gebracht.

Was meint der bloß? Hat er Putin mitgebracht, den russischen Präsidenten? Aber so geschmacklos ist er nicht, der Gatte. Oh, dachte ich, er meint Putschin. Aber der ist doch tot! Wir haben den Geist eines verstorbenen russischen Dichters im Haus! Dann fiel mir ein... der hieß doch Puschkin. Alexander Sergejewitsch Puschkin.

Geist stimmte allerdings – wenn auch nicht im Sinn von Gespenst. Der olle Hubby stellte eine Flasche auf den Tisch, ich machte sie auf, roch daran: Spiritus! Ein Wink mit dem Zaunpfahl, ein Aufruf zum Fensterputzen? Wie kann er es wagen! Der Mann, der glaubt, er habe Hand angelegt, wenn er an der Waschküche vorbeispaziert, kritisiert mich, eine deutsche Hausfrau? Ha!

Der olle Hubby jedoch nahm mit der üblichen Gelassenheit zwei Schnapsgläser aus dem Schrank, füllte sie großzügig und drückte mir eines in die Hand.

Whoops-a-daisy! Das Zeug riecht wie Spiritus, schmeckt wie Spiritus und hat einen Abgang wie eine Mischung aus Vodka und Benzin. Tatsächlich ist Poteen Moonshine – schwarz gebrannter Schnaps. Nachts treffen sich irischen Bauern seit Anbeginn der Zeit irgendwo in den Bergen und brennen aus Kartoffeln oder Getreide Poteen.

Gesprochen wird Poteen „Putschin“- das Wort ist gälisch. Es bedeutet so viel wie „kleiner Topf“ – gemeint ist die Distille, meist ein Kupferkessel auf einem Torffeuer. Und aus diesem kleinen Topf kommt ein dicker Kopf. Verboten ist das Zeug seit 1661, aber Verbote der (zumeist englischen) Obrigkeit haben in Irland bekanntlich noch nie jemanden gestört.

Das Zeug ist absolut tödlich, sogar wenn es sich um Ethanol handelt, für Menschen verträglichen Alkohol. Falsch gebrannt, ist es Methanol und macht blind. Auch das stört hier keinen, denn es gibt angeblich verlässliche Tests für die Genießbarkeit von Poteen. Anzünden zum Beispiel, was bei einem Alkoholgehalt von 60 bis 80 Prozent auch nicht weiter schwierig ist. Brennt Poteen lila, ist alles gut, brennt er jedoch rot oder orange, handelt es sich in der Tat um Putzmittel. Warscheinlich kommt der Ausdruck „blind drunk“ für „komplett besoffen“ daher - und in jedem irischen Dorf gibt es die Geschichte von einem Poteen-Besäufnis, bei dem irgendein Paddy ins offene Feuer fiel und zu besoffen war, um wieder raus zu krabbeln.

Irland wäre nicht Irland, gäbe es nicht sogar ein Gedicht über Poteen:

"There's a neat little still at the foot of the hill
Where the smoke curls up to the sky,
By a whiff of the smell you can plainly tell
That there's poteen boys close by.
For it fills the air with a perfume rare
And betwixt both me and you
As home we roll, we can drink a bowl
Or a bucketful of mountain dew."

1997 haben die Behörden den Kampf gegen die Schwarzbrennerei schließlich aufgegeben und nun ist der Moonshine auch legal zu haben – vorausgesetzt, er wird bis zur Unkenntlichkeit verdünnt.

Die Idee war vermutlich, dem „Mountain Dew“ den rebellischen Charme zu rauben, indem er modisch wird. Und tatsächlich gibt es Poteen inzwischen auch bei Tescos zu kaufen. Neben Absolut Vodka oder Jameson Whiskey, gekennzeichnet als „Basis für Cocktails“. Die Leute an der irischen Westküste stört das keineswegs. Sollen doch die Touris das Zeug kaufen und 30 Euro für einen halben Liter rohen Kartoffelschnaps bezahlen! Sie selber gehen in die Berge, wie seit Jahrhunderten.

Ich für meinen Teil geh dann mal Fensterputzen.

 

Last Updated on Thursday, 03 December 2015 17:20
 
Ein Wetter zum Zuhausebleiben PDF Print E-mail
Written by Bierach   
Friday, 20 November 2015 10:11

Buch Beckett

 

 

Zwei Tage hat es nun gestürmt und geregnet. Nun scheint eine scheue Novembersonne, aber von meinem Schreibtisch aus kann ich immer noch haushohe Wellen auf dem Atlantik sehen – und die Waschküche, die entsteht, wenn ihre kinetische Energie auf die Felsen knallt.

 

Wetter zum Zuhausebleiben, zum Lesen und Schreiben. Dass das winzige Irland mit Jonathan Swift, George Bernard Shaw, Oscar Wilde, WB Yeats, James Joyce (um nur ein paar der bekanntesten zu nennen) so viele Autoren hervorgebracht hat, ist aus meiner Sicht auch ein meteorologisches Phänomen. Es ist allerdings nicht bekannt, ob Samuel Beckett auch das Wetter meinte, als er 1939 schrieb, er ziehe Paris im Krieg Irland im Frieden vor. (Sein Portrait ist von Ritchie P. Delaney, birchcottagestudio.com)

 

So gesehen ergibt es also Sinn, dass ich auf der Suche nach Inspiration die Sonne Australiens hinter mir gelassen habe und nun auf diesem windumtosten Felsen im Nordatlantik sitze. Ein Shaw oder Wilde wird aus mir zwar nicht mehr werden, da kann es hier blasen soviel es will, aber vielleicht werde ich ja noch eine halbwegs leserliche Krimiautorin. Der erste Versuch dazu erscheint im kommenden Jahr bei List unter dem Titel „Lügenmauer“.

 

Das Buch spielt hier in Irland, dem Traumreiseziel vieler Deutschen und Amerikaner, Wetter hin oder her. Emma Vaughan, Inspektorin bei der Mordkommission in Sligo an der verregneten Nordwestküste, kriegt von dem Irland der Touristenbüros allerdings nicht viel mit. Sie erlebt es als Hochburg der Machos und religiösen Eiferer. Als Protestantin und geschiedene, allein erziehende Mutter weckt sie bei der katholischen Mehrheit – ja selbst bei ihren Kollegen – wenig Vertrauen. Als sie damit betraut wird, den Mord an dem pensionierten protestantischen Vikar Charles Fitzpatrick aufzuklären, sieht sie sich nicht nur mit der dunklen Geschichte Irlands konfrontiert, sondern auch mit den Geistern ihrer eigenen Vergangenheit.

 

Diese Woche hat der Verlag den Titel Onix gemeldet – also der ONline Information eXchange, eine Plattform zum Austausch von Produkt-Daten über die gesamte Verwertungskette im Buchhandel. Auf deutsch heißt das: das Buch kann jetzt bei Amazon oder Libri und Co vorbestellt werden.

Siehe zum Beispiel hier:

http://www.amazon.de/s/ref=nb_sb_noss_2?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&url=search-alias%3Daps&field-keywords=L%C3%BCgenmauer

Last Updated on Friday, 20 November 2015 11:50
 
Die Macht der Dinge PDF Print E-mail
Written by Bierach   
Monday, 02 November 2015 17:28

Steinmaennchen

 

Vor zwei Wochen ist unser Container ist angekommen. Seither bin ich im Schock: Warum bloß haben wir so viel Zeug? Das Drama begann schon in Sydney. Ich war bereits am Flughafen und im Begriff das Land zu verlassen, als der Anruf der Spedition kam: „Eure Sachen passen nicht in einen Container. Wir müssen noch eine Zuladung in einen zweiten packen. Kostet 2000 Dollar extra.“

Diese zweite Ladung ist inzwischen auch angekommen – über Belfast allerdings und nicht über Dublin, was bedeutet, dass wir den Bürokratenkram mit dem Zoll zweimal gemacht haben, einmal für die Republic or Ireland und einmal für Great Britain. Aber das ist nicht das Schlimmste, viel übler ist, dass ich jetzt alles wieder auspacken und Platz für all die Bücher, DVDs, Kunstwerke und Klamotten finden muss.

Alles nur, weil wir in 50 Lebensjahren so viele Dinge angesammelt haben. Ich besitze beispielsweise ungefähr 30 oder so Handtaschen und 50 Paar Schuhe... von denen mir die meisten hier am Ende der Welt auf dem Land so nützlich sind, wie eine Wärmflasche aus Schokolade.

 

Ivan, der Onkel vom Ollen Hubby, starrt voller Unglaube auf die Massen, die wir aus den Kisten holen. Und noch ungläubiger auf das, was ich wegwerfen will. Er wurde vor 77 Jahren geboren – damals hatte die Familie zwar schon das Land, lebte aber im wesentlichen vom eigenen Anbau. Modern ausgedrückt würde man sagen: „asset rich - cash poor“. Zeug war rar damals – und Wegwerfen undenkbar. Dass etwas Geld gekostet hat, bedeutet für Uncle Ivan heute noch, dass man es behalten muss, bis es im Wortsinn auseinander fällt.

Also hortet er. So hat er beispielsweise immer noch die alten Holzfenster, die vor 25 Jahren aus Charlesfort ausgebaut und durch neue ersetzt wurden. Seither verrotten die langsam in einer der Scheunen. Man könnte die ja vielleicht noch mal gebrauchen, um ein Gewächshaus zu bauen... oder so.

 

Er hat also so viel Zeug angesammelt, weil er früher kein Geld hatte. Ich hab so viel Zeug angesammelt, weil ich immer genug Geld hatte. In beiden Fällen beherrschen wir nicht die Dinge, sondern die Dinge beherrschen uns und verstopfen unsere Häuser, Garagen und Dachböden.

 

Und unser Denken dazu. Viele von uns hangeln sich ein Leben lang von einem Kredit zum anderen – den für die Studiengebühren, das Auto, das Haus. Manche kaufen sogar Aktien auf Pump. Kapitalismus pur – Kopf runter, arbeiten und Kredite bedienen. Am Ende hat man dann all das Zeug und die Last damit.

 

Mir reichts. Außer Lebensmitteln und dem Material, um das Haus zu reparieren, habe ich in den vergangenen drei Monaten gekauft: Gummistiefel, ein paar Bücher über Irlands Geschichte und eine neue Gartenbank. Ansonsten habe ich mir ein Steinmännchen angeschafft – selber gebaut aus Material vom Strand. Fühlt sich gut an.

Last Updated on Monday, 02 November 2015 17:50
 
The Cure in Irland PDF Print E-mail
Written by Bierach   
Monday, 19 October 2015 11:28

Knocknarea

Irland glaubt an „The Cure“ - nee, nicht an die englische Rockband, auch wenn die sich gelegentlich hier rüber verirrt. Gemeint ist „die Heilung“. Und zwar eine wundersame. Ivan, der Onkel vom Ollen Hubby zum Beispiel kann Brandwunden heilen. Dem Volksglauben nach geht das so: Ivan hat als junger Mann den Rücken einer Eidechse abgeleckt und kann nun den Schmerz von Brandverletzungen nehmen, indem er seinerseits die Wunden eines Brandopfers leckt. Ziemlich unhygienisch, wie ich finde. Doch viele hier im Dorf glauben dran und wann immer sich einer verbrennt, ist großes Geschrei: Wo ist Ivan? Es folgt Gerenne über Stock und Stein, bis Ivan gefunden ist und die Verletzung geleckt hat. Erst dann geht's zum Arzt – wenn überhaupt - und die Leute schwören, dass Ivans Zunge ihnen wirklich den Schmerz nimmt.

 

Ivan ist übrigens nicht alleine. Neulich war ein Mensch hier, um die Dachrinnen in Charlesfort zu säubern, weil ich mich nicht auf eine zwölf Meter hohe Leiter traue und der Olle Hubby sowieso nur mit den Augen rollt, wenn es um irgendwas geht, das mehr als einen Meter vom Boden entfernt ist.

Der Herr der Dächer erzählte mir dann beim obligatorischen Tee, den man irischen Handwerkern nach getaner Arbeit servieren muss, er sei unlängst von besagter Leiter gefallen. Aber zum Glück habe seine Nachbarin „the Cure“. Statt die Ambulanz zu rufen, hat er sich also ins Auto geschleppt, ist nach Hause gebraust und da hat ihm die Dame von nebenan die Hand aufgelegt. Danach sei der Schmerz weg gewesen.

 

Das wirft nun viele Fragen auf.

Wenn das klappt – wieso lecken nicht mehr Leute Eidechsen oder legen Hand an und werden Heiler?

Wozu brauchen wir noch teure medizinische Versorgung?

Und – wieso bin ich zu feige, das mal auszuprobieren? Ich könnte mich ja aus wissenschaftsjournalistischem Interesse mal verbrennen, wenn Ivan in der Nähe ist. Oder mich in Gegenwart der Handauflegerin von der Leiter stürzen.

Leider weiß ich, dass menschliche Spucke voller fieser Bakterien ist, die man besser nicht in Brandwunden appliziert und außerdem habe ich Angst vor Schmerzen.

 

Früher wohnten überall Geister, Dämonen, Zwerge und Feen. Inzwischen hat die der Rationalismus fast überall vertrieben und daher sind all die Fabelwesen, die nicht in Hollywood im Exil sind, nach Irland umgezogen. Hier glauben die Leute schließlich immer noch, dass man nachts die Hexe Banshee schreien hört, wenn einer sterben muss und dass im Morgengrauen die Geister betrunkener Seeleute an die Fenster klopfen. Sie sind überzeugt, dass es Feen gibt, die Kinder entführen und dass ihre sagenumwobende Königin Maeve früher zusammen mit den Wölfen jagte. Angeblich ist sie hier um die Ecke in aufrechter Position und in voller Rüstung begraben - den Blick zu ihren Feinden in Ulster gewandt. Den Leuten hier gefällt das – in Ulster sitzen schließlich die Briten.

 

 

Den Knocknarea, den Hausberg von Sligo, ziert in der Tat ein weithin sichtbarer Steinhaufen – das soll ihr Grab sein. Archäologen sagen, dass dieser 55 Meter breite, zehn Meter hohe und wohl 40 000 Tonnen schwere Steinhaufen 3000 Jahre vor Christus errichtet wurde – und daher nicht die Grab der sagenhaften keltischen Königin Maeve aus der Eisenzeit sein kann. Den Iren ist das allerdings herzlich egal. Wer auf den Knocknarea steigt, nimmt einen Stein mit hoch und legt ihn auf Maeves Grab. Aus Respekt. Und weil das Segen bringt. Auch wenn ich mich nicht absichtlich verbrenne oder von Leitern werfe, Maeve einen Stein aufs vermeintliche Grab tragen, das krieg ich hin. So irisch bin ich dann doch schon.

 

Last Updated on Monday, 19 October 2015 11:47
 
Der Tee-Schock PDF Print E-mail
Written by Bierach   
Sunday, 04 October 2015 10:24

Western people

Irland ist anders. Ziemlich anders. Was sich dem Medienmenschen bei der Betrachtung der eigenen Branche schnell erschließt. Unlängst wanderte ich in Ballina herum – die Hauptstadt des County Mayo mit 10 000 Einwohnern - und ging an der Redaktion der dort heimischen Zeitung „Western People“ vorbei. Es war ein Uhr nachmittags und an der Tür hing ein Schild: „Closed until 2.30“.

Der Rest der Publizistik weltweit versucht ständig, aktueller und schneller zu werden, um mit dem Internet mithalten zu können. Nicht im irischen Nord-Westen. Wenn hier die Mittagspause ansteht und der Magen knurrt, haben Politik, Wirtschaft und Kultur gefälligst den Atem anzuhalten, denn die Redaktion macht dicht. Was berichtenswert ist, ist das vermutlich auch noch nach halb drei, wenn der Redakteur zufrieden und gesättigt wieder am Schreibtisch sitzt. Hier herrscht ganz offenbar Gefühl fürs Wesentliche.

 

Der „Irish Independent“ - ein nationales Blatt – berichtet daher auch auf einer Viertel Seite von zwei beim Baden im Meer ertrunkenen Nonnen und doppelseitig über die Ergebnisse der irischen Pflugmeisterschaften. Dabei geht es um die Frage, wer mit dem schönsten Pferd oder Bullen die dollsten Dellen in ein Feld pflügen kann. Zu dieser bahnbrechenden Herausforderung ist sogar EU-Kommissar Phil Hogan angereist. Das Blatt interviewt jedoch nicht den, sondern Farmer David Pearson, der mit einer Kuh namens Hanky-Panky einen Preis gewonnen hat. Der Bauer erklärt nun genau, wie er sie für Wettbewerbe shamponiert, trocken fönt und wachst, damit ihr Haar genug „Va-va-voom“ hat. Ich fürchte, mit meinem Schopf hat sich noch nie jemand so eingehend befasst wie mit dem einer irischen Preiskuh. Vermutlich gewinne ich deswegen auch nie Preise.

 

Dieser Bericht steht übrigens nicht im Vermischten, sondern im Nachtrichtenteil.

 

Dort steht eine Seite weiter auch, das es hier einen Taoiseach gibt. Gesprochen wird das Tea-Shock. Das ist mitnichten die Krankheit, die einen befällt, wenn man zu viel von dem schwarzen, starken irischen Tee trinkt, der hier bei allen Gelegenheiten offeriert wird. Nein, das ist der Regierungschef der Republic of Ireland in Dublin. In den späten 1970er Jahren diente in der Funktion ein gewisser Charles Haughey und als der Pabst 1979 in Irland zu Besuch kam, fragte dieser Haughey beim Krimiautoren Frederick Forsyth („Der Schakal“) an, wie man den Heiligen Vater denn ab besten vor Anschlägen beschützen könnte. Daraufhin wurden die beiden dicke Freunde. Und als Forsyth, der ab 1980 in Irland lebte, sich seinerseits bei Haughey erkundigte, wie er seine Söhne vor Entführungen durch die IRA schützen könnte, gab ihm der Tee-Schock sein persönliches Ehrenwort, dass den Kids nichts passieren würde.

 

Daraus kann man nur schließen, dass Haughey bei den IRA-Terrortruppen bestens verdrahtet war, um es mal vorsichtig auszudrücken. Das ist ungefähr so, als wenn Bundeskanzler Helmut Schmidt einem nach Deutschland umgezogenen Forsyth in den frühen 1980er Jahren versprochen hätte, das die RAF die Finger von seiner Familie lassen würde. In Deutschland würde so eine Meldung Geschrei auslösen - hier werden die Verbindungen zwischen Politik und Terrororganisation einfach zur Kenntnis genommen. Vermutlich, weil alle so daran gewöhnt sind.

 

Das Thema IRA und ihre Nachfolgeorganisationen beschäftigt mich ohnehin. Einerseits, weil ich gerade an meinem ersten Krimi arbeite, der hier in Irland spielt. Und IRA-Leute sind erstklassige Verdächtige. Finster, schweigsam, undurchdringlich. Andererseits, weil das Thema IRA trotz Friedensabkommen vom Karfreitag 1998 keineswegs gut abgehangene Geschichte ist.

So wollte die Provisional IRA – die offiziell als militante Truppe gar nicht mehr existiert – den mutmaßlichen Mehrfachmörder Jock Davison im Sommer 2015 zu ihrem Chef machen, worauf hin der prompt erschossen wurde. Den Befehl dazu soll ein Kevin McGuigan gegeben haben – weil Davison ein Spion der Briten gewesen sein soll, der dafür sorgen sollte, dass die Provisional IRA Frieden hält und die Finger von den Bomben lässt. McGuigan ist inzwischen auch ermordet worden. Offiziell hat die IRA 2005 übrigens alle Waffen abgegeben. Kleine Wunder also, dass die hier nicht Politiker interviewen, sondern lieber Kühe shamponierende Bauern.

 

Irland ist anders. Ziemlich anders.

Last Updated on Sunday, 04 October 2015 10:36
 
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