„...und vor der Tür nichts als Schafe“


„Have ye the turf saved yet.......?" PDF Print E-mail
Written by Bierach   
Tuesday, 15 September 2015 21:03


Ich glaube, niemand ist je wirklich in Irland angekommen, der nicht mal auf dem Bog war und so richtig Crack hatte.


Nee, nicht was ihr denkt. Im Gegensatz zum Rest von Angelsachsien, wo „Bog“ das Klo ist, handelt es sich in Irland bei diesem Wort um das Moor. Dort geht man hin, um Torf zu stechen. Den braucht man, um zu heizen. Im Ernst. Hier werden die meisten Häuser immer noch mit Holz und Torf beheizt. Und „Crack“ sind keine Drogen, sondern Spaß. Den hat man - und wenn nicht, hilft man mit ein paar Pints Guiness nach.

Bin nun seit fast vier Wochen in meinem neuen Zuhause. Charlesfort House in Dromore West, erbaut in 1781. Zweigeschossig, mit Schieferdach. Also vergleichsweise herrschaftlich. Zumindest wenn man es neben die Cottages der Nachbarn stellt. Allerdings haben wir keine Nachbarn, wir haben 50 Hektar Land um uns rum. Auf denen stapft der ollen Hubby (kurz für „husband“) in seinen Gummistiefeln herum, happy wie das sprichwörtliche „pig in shit“. Gelegentlich betätigt er unter lauten Flüchen eine Bohrmaschine.

Das Dorf ist etwa zwei Kilometer weit weg – dort gibt es eine Tankstelle, eine Apotheke, einen Tierarzt, einen kleinen Tante-Emma-Laden, mehrere Pubs. Das wars. Ganz schöner Kulturschock: von Sydney nach Dromore West, Australiens Metropole hat so viele Einwohner wie die ganze Republic of Ireland. Rund 4,5 Millionen. Dazu ein paar Millionen Schafe. Auf unserer Wiese vor dem Haus, dem so genannten „Lawn“, rennen 65 Stück davon herum.

Vergangene Woche hatten wir also den ersten Crack im Bog. Das ist unglaublich viel Arbeit – Torf stechen, zum Trocken hinlegen, dann umdrehen, dann in kleine Garben schichten und hoffen, dass es nicht regnet. Wenn das Zeug trocken genug ist, kommt es in 40-Kilo-Säcke, auf den Trecker und dann auf den Hof. Dort wird es abgeladen und in der Scheune geschichtet. Von Hand. Kann mich nicht erinnern, körperlich je so hart gearbeitet zu haben. Immerhin, nun haben wir 450 Säcke Torf auf Lager, der Winter kann kommen. Ich habe dem ollen Hubby schon gesagt, dass ich das genau eine Saison mitmache, dann brauchen wir eine vernünftige Zentralheizung. Mit Gas- oder Ölbrenner. Die Holz und Torf fressende „Range" (so nennt man hier einen Ofen) in der Küche kann ja gerne bleiben, man hat ja gerne mal ein Feuerchen zum Davorsitzen, aber im Ernst damit heizen? Ein ganzes, großes Haus?

Natürlich hat es seit 1781 mehrere Renovierungen gegeben und auch den Einbau von zwei Badezimmern. Allerdings die mit den zwei Wasserhähnen an Wanne und Waschbecken - cold und hot. Die Erfindung der Mischbatterie hat sich hier noch nicht herumgesprochen. Es gibt eine Badewanne und eine Dusche. An dem Einbau von modernem Licht, Spiegeln und Duschtüren arbeiten wir noch.

Auch habe ich inzwischen Schneisen in meinen dschungelartig überwachsenen Garten geschlagen. Noch nie zuvor hatte ich so verabeitete Hände. Ich bin Schreiber, nicht Bauer. Aber im Ernst: Das macht schon Spaß, sich hier so ein Haus einzurichten. Unsere Sachen sind allerdings noch auf hoher See und werden das wohl auch noch ein paar Wochen lang sein. So lange also Camping im eigenen Haus. Ich werde weiter von all dem hier konsumierten Crack berichten, versprochen!

Last Updated on Wednesday, 23 September 2015 11:46
 
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