„...und vor der Tür nichts als Schafe“


Summa summarum PDF Print E-mail
Written by Bierach   
Friday, 08 July 2016 11:27

Stell dir mal ein Bienchen vor! Das tue ich jetzt schon seit mehreren Dekaden. Vor etwa einem Jahr habe ich beschlossen, es mal umzudrehen und mich den den Bienen vorzustellen. Das ist leichter gesagt als getan. Denn find mal eine gesprächsbereite Biene. Gar nicht so einfach heutzutage, denn es gibt kaum noch Honigbienen. Genervt von Veroa-Parasiten und Insektiziden auf jedem Acker machen die sich gerade weltweit von demselben. Das sollte so nicht weitergehen, denn rund ein Drittel der Lebensmittelproduktion auf der Erde hängt von der Bestäubung durch Bienen ab.

Der Hund als bester Freund des Menschen? Von wegen.

 

Die Welt braucht mehr Bienen und ich auch. Nun habe ich mich zunächst erfolgreich durch den Fremdwörter-Dschungel geschlagen– ein Queen Excluder ist nicht etwa ein Anti-Royalist und ein Super auch kein Song von Abba! - und die Imkerprüfung bestanden.

Dann habe ich mit Ole Hubby zusammen hinter der alten Scheune eine Einfriedung für den Stock gebaut. Acht Pfosten einbetoniert, Türe gebaut, Latten verschraubt und Drahtzaun eingezogen. Ob uns klar sei, dass Bienen über den Zaun drüber fliegen können?, haben uns humoristisch begabte Nachbarn gefragt. Das schon, aber nicht die Kühe, Schafe und Pferde unseres Pächters. Die sollen nämlich draußen bleiben und nicht den Stock umstoßen. So was gibt nämlich Ärger und hohe Tierarztrechnungen.

 

Bienen 1

 

Der grüne Kasten im Hintergrund ist ein moderner Bienenstock. Die altmodischen aus Holz sind schöner, zugegeben, doch für die ist es hier im irischen Nordwesten zu kalt. Bienen mögen es warm und trocken und da geht nichts über Polystearin. Wenn ich schon die Verantwortung für bis zu 60.000 Tiere übernehme, sollen die es auch gut haben.

 

Anschließend haben wir die Rahmen für den Stock zusammen gebaut, auf denen die Bienen ihre Brut und den Honig unterbringen sollen. Die fachliche Aufsicht hatte wie immer Kater Hugo. Der ist hier Chef im Ring und versteht von Landwirtschaft und Bienenzucht ungefähr so viel wie ich. Im Gegensatz zu ihm bin ich allerdings lernfähig - und fleissig. Hugo ist der Meinung, er hat zwei Überstunden gemacht, wenn er am Tag sechs Stunden wach war.

 

Bienen 2

 

 

Jetzt fehlen nur noch die Bienen – die kommen morgen. Ich werde in der Sonne sitzen, ihnen beim Tanzen zugucken und mich des honigsüßen Lebens erfreuen.

 

 

 

Last Updated on Friday, 08 July 2016 11:57
 
Morbide Phantasien PDF Print E-mail
Written by Bierach   
Saturday, 07 May 2016 16:29

 

Grabsteine

 

Die Iren sind besessen vom Tod. Im Radio werden täglich auf allen Kanälen endlos lange die Todesnachrichten verlesen, die Zeitungen sind voller Todesanzeigen und beim Autofahren nähert man sich Kirchen besser nur vorsichtig mit dem Fuß auf der Bremse, denn oft wird ein Sarg vom Altar weg durchs ganze Dorf zum Friedhof getragen und sämtliche Bewohner des Örtchens wandern fröhlich quatschend hinterher.

 

Unser Onkel Ivan beispielsweise braucht keine Dinnerparties, keine Squash- oder Tennispartner oder sonstige soziale Aktivitäten, er geht zu Beerdigungen. Da trifft er sowieso alle. Anschließend gibt es jede Menge zu essen und die Gelegenheit, stundenlang mit den Nachbarn zu schwatzen und alte Bekanntschaften aufzufrischen, wenn die Verwandtschaft des Verstorbenen aus der Diaspora in London, Boston oder Perth anrückt, um den Sarg unter die Erde zu bringen.

 

Oft komme ich mir hier im County Sligo vor wie in einer Ausgabe von „Barnaby“, der britischen TV-Krimniserie. Die spielt in Midsomer. In den paar Dörfern in Oxfordshire sterben ständig jede Menge Leute und Chief Inspector Tom Barnaby kommt mit dem Leichen zählen kaum noch nach. Oft habe ich mich beim Gucken gefragt, warum die Leute in Midsomer wohnen bleiben, wenn den Menschen da doch an jeder Ecke der Sensenmann droht.

 

Nun lebe ich in Dromore West und hier wird auch beständig gestorben. Einen Tom Barnaby haben wir allerdings nicht, der hätte hier auch nicht viel zu ermitteln, denn die meisten lokalen Abgänge sind nicht Folge von Mord und Totschlag, sondern von Altersschwäche und Krankheit.

 

Was auch gut so ist, denn die heimische Polizei im ländlichen Irland wäre echten Verbrechern auch kaum gewachsen, scheitert sie doch schon daran, den Verkehr zu regulieren. Es klappt schon kaum, bei Beerdigungen Sargprozession und Autos soweit getrennt zu halten, dass es keine neuen Toten gibt. Alles andere führt zu kompletter Überforderung.

 

Neulich beispielsweise saß ich im Bus zu Flughafen, als ein Unfall auf der Bundesstraße Richtung Dublin einen Stau zu verursachen drohte. Die Gardai – irisch für Polizei – leitete prompt alle Fahrzeuge auf eine kleine Landstraße um. Leider tat sie das an beiden Enden des Problems gleichzeitig, also von zwei Seiten auf dieselbe kleine Straße. Mit dem Ergebnis, dass sich auf einer maximal drei Meter breiten Landstraße plötzlich Trucks und Busse gegenüberstanden, die jeweils rund 2,50 Meter breit sind. Ausweichen in die Wiese geht hierzulande auch nicht, denn eine typische irische Country Lane ist von Hecken gesäumt oder von Gräben, um den vielen Regen abzuleiten. Bis sich alles zentimeterweise im Rückwärtsgang wieder aus dem Blechpfropfen befreit hatte, waren Stunden vergangen und mein Flieger weg.

 

In dieser Situation bleibt einem wirklich nichts anderes übrig, als sich die irische Polizei selber zu stricken. Hab ich übrigens schon getan. Herauskam Emma Vaughan, die von mir erfundene Polizistin, deren erstes Abenteuer „Lügenmauer“ im Juli bei List erscheint.

Vorbestellen geht übrigens hier:

 

http://www.amazon.de/L%C3%BCgenmauer-Ein-Irland-Krimi-Kriminalroman-Emma-Vaughan-Krimi/dp/3548613063/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1462638403&sr=1-1&keywords=l%C3%BCgenmauer

 

So, und jetzt muss ich wirklich weg, im Dorf ist eine Beerdigung.

Last Updated on Saturday, 07 May 2016 16:45
 
Nationalstolz für Fortgeschrittene PDF Print E-mail
Written by Bierach   
Thursday, 31 March 2016 11:49

 

St Patricks

 

Seit 2004 bin ich aus Deutschland weg und zigeunere seither durch die Gegend. Sabbatjahr am Mittelmeer, Korrespondententage in New York und Sydney und nun Krimiautorin in Dromore West, Irland. Da hält man sich dann mal gerne für eine Weltbürgerin. Alles Quatsch. Ich bin so deutsch wie ein Wiener Würstchen. Was mir immer dann klar wird, wenn anderswo der Nationalismus ausbricht. Ich habe dann schwere Anfälle von Fremdschämen – was übrigens ein Wort ist, dass es meiner Kenntnis nach nur in der deutschen Sprache gibt. Jede Art von Nationalstolz ist mir unheimlich und peinlich. Fahnen jeglicher Couleur zu schwenken, finde ich degoutant. Typisch deutsch eben, wir schwenken nur, wenn Fußball ist.

 

Am 17. März war hier St. Patrick's Day, an dem sich die Iren grün in Schale werfen und ihr Land feiern. Dass die dazu gehörenden Paraden eine Erfindung der Amerikaner irischer Abstammung sind, stört dabei keinen. Wenn die US-Iren in Boston den Charles River zu Ehren der Esmerald Island mit Lebensmittelfarbe grün färben können, dann können wir zu Hause auch ein grünes Hütchen aufsetzen, uns als Leprechauns verkleiden und einen Jig tanzen. Guinness wird sowieso immer getrunken, dazu braucht es keine Parade.

 

Dieses Jahr allerdings war es mit St. Patrick's Day nicht getan, denn wir schreiben 2016.

Vor 100 Jahren fand in Dublin das so genannte Easter Rising statt, einer von vielen Versuchen, die britischen Kolonialmacht loszuwerden. Die meisten Bürger in Dublin reagierten jedoch eher genervt auf den Osteraufstand gegen die Krone, denn Rebellionen haben die unangenehme Eigenschaft, den Verkehr zum Erliegen zu bringen und gutbürgerliche Architektur zu Klump zu schießen. Im konkreten Fall das gerade erst renovierte Hauptpostamt. Die Stimmung der irischen Paddy Normalbürger wandelte sich erst, als die Briten anfingen, die 15 Anführer des Aufstands ohne großes Federlesen oder ziviles Gerichtsverfahren hinzurichten. Weitere 3000 Leute wurden verhaftet und in Wales interniert.

 

Obwohl militärisch eine katastrophale Niederlage, gilt der Osteraufstand doch als der Anfang vom Ende der britischen Herrschaft. Belfast und Northern Ireland sind noch immer britisch, doch seit 1921 ist immerhin die Republic of Ireland mit der Hauptstadt Dublin unabhängig. Der Osteraufstand steht jedoch auch für den Anfang des Bürgerkriegs, für Gewaltbereitschaft und IRA … und einige Iren – nicht zuletzt die protestantische Minderheit – fürchtete vor der Hundertjahrfeier, dass vor allem die alten Animositäten zwischen Anglo-Iren und Katholiken wieder hoch kochen.

 

Aber weit gefehlt. Der Festakt war eine zweite St. Patrick's Day-Parade. Alles in grün und eher fröhlich. Geregnet hat es auch, wie immer. Irgendwer hat eine neue Oper zum Anlass komponiert und in allen Theatern wird Sean O´Casey gespielt. Und wenn nicht der, dann Beckett.

 

Inzwischen ist alles wieder auf Normalnull, das Leben geht weiter. No big deal. Faksimiles der Proklamation der 1916-Anführer wurden an alle Schulkinder verteilt und erinnern daran, dass Irlands Führer schon vor 100 Jahren gleichberechtigt von irischen Männern und Frauen sprachen und alle Kinder des Landes frei sehen wollen, egal welche Farbe oder Religion sie haben.

 

Ich finde, das kann man getrost feiern. Nationalstolz irischer Art ist erträglich, auch wenn man deutsch und daher leicht geschädigt ist. Besonders bei einem ordentlichen Glas Whiskey. Sláinte!

 

 

Last Updated on Thursday, 31 March 2016 12:05
 
Ein Trekker! PDF Print E-mail
Written by Bierach   
Monday, 21 March 2016 14:55

 

Tim u Orville


Mit einem Umzug in ein steinaltes Haus erbt man jede Menge ebenfalls steinaltes Zeug. Besonders, wenn man den Mut hat, mal gründlich in die seit Jahrzehnten voll gestopften Scheunen zu gucken. Unter anderem haben wir da einen Massey Fergusson 135 von 1971 entdeckt. Was Ole Hubby begeisterte Schreie entlockte: „Boah, sogar mit einer geraden Achse!“ und bei mir Lerneffekte auslöste. Erstens: der Gatte liebt Traktoren. Zweitens: Traktoren haben Achsen. Drittens: Dieser spezielle Traktor hat eine, die geradeaus geht – frühere Modelle hatten offenbar eine gebogene. Was immer das heißt.

 

Kurz und gut, wir renovieren gerade einen Trekker. Ich wurde zu dem Projekt mit dem Hinweis überredet, dass wir mit dem Teil die umgefallenen Bäume aus dem Wald ziehen und zu Feuerholz verwandeln können. Der Trekker würde weder angemeldet werden noch jemals unseren Privatgrund verlassen, hieß es. Doch kaum hatte ich genickt, entstand der Plan, im kommenden Jahr mit einem blitzeblankem, grundrenovierten Traktor bei der St. Patricks Parade durchs Dorf zu fahren.

 

Dabei gibt es nur ein winziges Problem: Wir haben keine Ahnung von Traktoren. Oder von Paraden. Doch zum Glück gibt es unseren Nachbarn Orville (siehe auch Blogeintrag vom 18. September 2015). Orville fährt ausschließlich Trekker und findet: Wo man mit einem Traktor nicht hinfahren kann, da muss man auch nicht sein. Sein Kommentar zu Ole Hubbys Enthusiasmus: „Once a man, twice a boy!“ Stimmt ja auch, jeder Junge träumt von Treckkerfahren, auch wenn er schon 50 ist.

 

Wie sich herausstellt, sind Ole Hubby und Orville die perfekte Tractor Repair Crew (siehe Bild oben). Orville kann Tractor, Hubby kann Internet und sucht, wenn was unklar ist, nach den entsprechenden YouTube-Filmen, die in Wort und Bild erläutern wie man eine verrostete Bremsscheibe aus den 70er Jahren repariert. So was gibt’s, im Ernst. Ich bin vor alldem noch leicht benommen, denn der Hubby, den ich kannte, sah ungefähr so aus:

Tim

 

Derart gerüstet haben wir inzwischen die Räder und Bremsen abmontiert, sauber gemacht und alles wieder zusammen gebaut. Falls wir das Ding ans Fahren kriegen, können wir es jetzt auch wieder bremsen. Das ist ja schon mal was!

 

Inzwischen wissen wir: MF135 sind nahezu unzerstörbar, denn auch wenn Ahnungslose am Werk sind. Nach einem Ölwechsel und mit neuer Batterie verstehen, startete unser Trekker ohne zu murren. Nun hopst er über die Wiesen wie ein junges Osterlamm.

Tim

 

 

Das nächste Thema ist, die Ersatzteile zu besorgen. Hat zufällig einer eine MF135-Kühlerhaube im Schrank, die er nicht braucht? Falls ja, immer her damit!

 

Last Updated on Monday, 21 March 2016 15:20
 
Die rote Tür PDF Print E-mail
Written by Bierach   
Tuesday, 16 February 2016 12:00

Tuer

Unsere Gartentür im westirischen Regen

 

 

Auf den Wiesen vor dem Haus toben die Lämmer. Besonders die schwarzen sind so niedlich, dass ich sie am liebsten umarmen würde. Doch ihre Mütter wollen davon nichts wissen und ergreifen die Flucht, wenn ich in meinen Gummistiefeln angestapft komme. Auch Martin, unser Pächter, dem die Schafe gehören, würde mir meine Sentimentalität um die Ohren hauen. Es handelt sich hier nämlich nicht um Knuddeltiere, sondern um den Osterbraten. Und so lange der noch herumläuft, wird der höchstens gegen Parasiten im Fell behandelt, ansonsten muss das Vieh hier zusehen, wie es klar kommt. Auch wenn es vom Atlantik mal wieder so bläst, dass es die Lämmchen schier weg weht.

 

Was auch schier fliegen geht, ist meine Hintertür. Die ist so alt wie die Welt und wird nur noch von der coca-cola-roten Farbe zusammengehalten, die ich ihr vor ein paar Monaten verpasst habe. Doch eine neue zu kriegen, ist gar nicht so einfach.

 

Dazu geht man zunächst ins Dorf zu Flynn, dem lokalen Saathändler. Der ist noch älter als meine Tür. Bei Flynn gibt es auch andere nützliche Dinge wie Schaufeln, Paletten oder Heizkohle. Und immer auch einen guten Rat. Den zu extrahieren, ist jedoch zeitaufwändig. Die Iren sind höfliche Leute, die wollen erst einmal hören, wie das werte Befinden ist. Dann wollen sie gefragt werden, wie sie sich selber fühlen. Sodann wird besprochen, wer im Dorf gerade geheiratet hat, gestorben oder im Krankenhaus gelandet ist. Dann kommt das Wetter dran: Dezember war zu warm dieses Jahr. Januar zu kalt. Nun sind die Lämmer dieses Jahr fast ein wenig zu früh geboren... was, wenn im Februar der Frost kommt? Auch die Schneeglöckchen sind zu früh dran und die Glockenblumen sowieso. Und hast du schon gehört? Stuart hat wieder ganz übel mit dem Saufen angefangen...

 

Am Ende empfiehlt Flynn ein Gespräch mit Sean Quinn. Den kann man aber nicht einfach anrufen, denn erstens geht er nie ans Telefon – ist schließlich neumodischer Kram – und zweitens will auch er ein richtiges Schwätzchen halten. Also fährt man hin und das Menuett beginnt von vorne: Befinden, Dorfklatsch, Wetter, die Lämmer-Saison und die Frage, wie wir uns denn einleben? Nun gilt es, unser neues Leben über den grünen Klee zu loben, denn die Iren sind der Meinung, dass es nirgendwo besser ist als da, wo sie gerade sind. Alles toll - bis auf die Tür! Schließlich erklärt Sean, er habe sich inzwischen zur Ruhe gesetzt. Aber er werde John, seinen Sohn, bitten, doch mal vorbei zu schauen und die Tür zu inspizieren. Der sei nämlich auch Schreiner.

 

John kommt zwei Tage später und kriegt erst einmal eine Tasse Tee. Wer immer in Irland zu deiner Tür reinkommt – und sei es der Gerichtsvollzieher – will erst einmal eine Tasse starken, heißen Tee mit Milch und Zucker. Dazu wird geschwatzt, doch John ist eine Generation jünger als Flynn und Sean, also geht es nach dem Befinden und dem Dorfklatsch um die Frage, wer wohin ausgewandert ist. London? Sydney? Toronto? Wo ist es am besten für einen irischen Schreiner? Letzten Endes zückt John das Metermaß und vermisst die Tür.

 

Zwei weitere Tage später erscheint Dermott. John habe ihn geschickt. Wegen der Tür. Er ist in Johns Alter, also wieder Tee, Befinden, Wetter, Lämmer-Saison und die relativen Vorteile von Kanada und Australien gegenüber Großbritannien. Auch Dermott vermisst die Tür und es stellt sich heraus, er ist der Vertriebsmann des Türen-Herstellers. Ich wage nicht zu fragen, wie viele Türen pro Woche er verkauft, wenn er dafür jeweils ins Haus kommen, Tee trinken und ein Schwätzchen halten muss.

 

Eine Woche später erfolgt erneut ein Anruf von John, er will nochmal kommen, diesmal mit Dermott. Zwei Tassen Tee und endloses Palaver später wird die Tür aufs Neue vermessen und ich werde gefragt, welche Farbe sie haben soll? Mit Fenster? Glatte Tür oder im Nut-und-Feder-Look? Griff silbern oder schwarz? Welche Art von Schloss?


Eine Woche geht ins Land, dann ist John am Apparat: Ob ich denn eine Anzahlung leisten könnte? Kann ich, kein Problem. Muss ich ja nicht mal Tee für kochen.

Seither habe ich nichts mehr gehört und John ist inzwischen wohl auch der Meinung, dass Telefone neumodischer Kram sind, von dem man sich besser fernhält, denn er geht nicht mehr ran.

 

Keine Missverständnisse. Es ist nicht so, dass John und Dermott jetzt mit meiner Anzahlung nach London oder  Sydney durchbrennen. Hier würde dich nie jemand betrügen. Nein, es geht jetzt alles seinen tee-geschwängerten, geschwätzigen Weg und spätestens kurz vor Ostern, wenn es dann warm und sonnig ist, wird auch meine Tür geliefert werden. Die ich dann längst nicht mehr so dringend brauche, wie während der Winterstürme im Februar. Hätte ich ja auch im Oktober drüber nachdenken können!

 

Das gute Stück wird mich stolze 1000 Euro kosten, ist ja auch kein Wunder, wenn man dafür so viel Tee trinken, reden, vermessen und telefonieren muss. Genug Geld jedenfalls, dass sich John und Dermott und ihre Familien die Lämmer für den Osterschmaus leisten können und ich kapiere: so funktioniert Irland.

Last Updated on Tuesday, 16 February 2016 12:09
 
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